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Was ist ein Dispokredit?
Ein Dispositionskredit, kurz Dispo, ist eine von der Bank
eingeräumte Überziehungsmöglichkeit auf einem Girokonto. Du darfst
das Konto dadurch bis zu einem festgelegten Betrag belasten, auch
wenn das vorhandene Guthaben bereits aufgebraucht ist.
Der Dispo ist rechtlich ein Verbraucherdarlehen. Anders als bei
einem klassischen Ratenkredit wird die Kreditsumme nicht vollständig
ausgezahlt. Stattdessen steht dir ein wiederholt nutzbarer
Kreditrahmen zur Verfügung.
Wie funktioniert der Dispo?
Sobald dein Kontostand unter null fällt, nutzt du den vereinbarten
Kreditrahmen. Neue Zahlungseingänge verringern das Minus automatisch.
Es gibt normalerweise keine feste Monatsrate und keinen festen
Tilgungsplan. Genau diese Flexibilität kann praktisch sein, macht
dauerhaftes Minus aber leicht unübersichtlich.
Vereinbarter Dispo
Vorher eingeräumter Kreditrahmen
Die Bank hat eine konkrete Überziehungsgrenze und die dafür
geltenden Konditionen mit dir vereinbart.
VS.
Geduldete Überziehung
Minus ohne ausreichenden Rahmen
Die Bank führt eine Belastung aus, obwohl kein oder kein
ausreichender Disporahmen besteht. Darauf besteht kein Anspruch.
Wichtiger Unterschied
Eine geduldete Überziehung ist kein Dispokredit. Sie kann
abgelehnt werden und je nach Kontomodell anders oder höher
verzinst sein.
02
Wer bekommt einen Dispo?
Einen gesetzlichen Anspruch auf einen Dispokredit gibt es nicht.
Die Bank entscheidet anhand ihrer Kreditprüfung, ob sie einen
Rahmen einräumt und wie hoch dieser ausfällt.
Typische Voraussetzungen
- ein Girokonto bei der jeweiligen Bank,
- Volljährigkeit und unbeschränkte Geschäftsfähigkeit,
- regelmäßige und ausreichend stabile Zahlungseingänge,
- eine aus Sicht der Bank ausreichende Kreditwürdigkeit,
- keine schwerwiegenden negativen Merkmale in der Kreditprüfung.
Besonders häufig wird ein Dispo auf Basis regelmäßiger Lohn-,
Gehalts- oder Renteneingänge angeboten. Banken können dabei eigene
Mindestbeträge, Prüfregeln und Risikogrenzen anwenden.
Wie wird der Dispo eingerichtet?
Je nach Bank kann der Antrag im Onlinebanking, in der App, telefonisch
oder im Gespräch gestellt werden. Nach der Prüfung werden Kreditlimit,
Sollzinssatz und weitere Bedingungen festgelegt. Manche Banken bieten
einen Rahmen aktiv an, wenn das Konto über längere Zeit regelmäßige
Eingänge aufweist.
Prüfe den Rahmen bewusst
Ein hoher verfügbarer Dispo ist kein zusätzliches Einkommen.
Richte den Rahmen besser nur so hoch ein, wie du ihn im Notfall
aus eigener Kraft wieder ausgleichen kannst.
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Wie hoch ist ein Dispokredit?
Die Höhe wird individuell festgelegt. Als grober Richtwert werden
in der Praxis häufig ein bis drei monatliche Nettoeingänge genannt.
Das ist jedoch keine feste Regel und keine Empfehlung für jeden
Haushalt.
Typische Orientierung
Keine feste Bankregel
1×
Vorsichtiger Rahmen für kleinere kurzfristige Engpässe.
2×
Häufig genannter Richtwert bei stabilen Zahlungseingängen.
3×
Größerer Rahmen, der bei voller Nutzung schnell teuer werden kann.
Welche Faktoren beeinflussen das Limit?
- Höhe und Regelmäßigkeit der Zahlungseingänge,
- Beschäftigungs- und Einkommenssituation,
- bisherige Kontoführung,
- bestehende Kreditverpflichtungen,
- interne Risikoprüfung und externe Bonitätsdaten.
Kann man den Dispo erhöhen oder reduzieren?
Eine Erhöhung kann beantragt werden, wird aber erneut geprüft.
Ebenso kannst du den Rahmen freiwillig reduzieren oder vollständig
entfernen lassen. Die Bank kann den Dispo ihrerseits ebenfalls
kürzen oder streichen, etwa wenn regelmäßige Einkünfte wegfallen
oder sich die Risikoeinschätzung verändert.
04
Dispozinsen und Kosten
Für einen ungenutzten Disporahmen fallen üblicherweise keine
Sollzinsen an. Kosten entstehen, sobald und solange das Konto im
vereinbarten Minus steht. Berechnet wird grundsätzlich nur der
tatsächlich genutzte Betrag.
So werden Dispozinsen überschlägig berechnet
Eine einfache Näherungsformel lautet:
Minusbetrag × Sollzins × Tage ÷ 365.
Der Sollzins wird dabei als Dezimalzahl eingesetzt.
Fiktiver Dispozins-Rechner
Unverbindliche Näherung
Geschätzte Zinskosten
9,86 €
Berechnung: 1.000 € × 12 % × 30 ÷ 365. Abrechnungsmethoden,
Zinsänderungen und Buchungszeitpunkte können das tatsächliche
Ergebnis verändern.
| Fiktives Beispiel |
Minusbetrag |
Sollzins |
Dauer |
Näherungsweise Zinsen |
| Kleiner Engpass |
500 € |
12 % p. a. |
14 Tage |
ca. 2,30 € |
| Monat im Minus |
1.000 € |
12 % p. a. |
30 Tage |
ca. 9,86 € |
| Längerer Engpass |
1.500 € |
12 % p. a. |
90 Tage |
ca. 44,38 € |
Dispozins und Überziehungszins
Der Dispozins gilt innerhalb der vereinbarten Kreditlinie.
Überziehst du das Konto darüber hinaus oder ohne eingeräumten
Rahmen, liegt eine geduldete Überziehung vor. Dafür kann ein
gesonderter Sollzinssatz gelten. Manche Banken verwenden heute
denselben Satz, andere unterscheiden weiterhin.
Warum sind Dispozinsen häufig hoch?
Der Dispo ist jederzeit abrufbar, flexibel rückzahlbar und hat
keinen festen Tilgungsplan. Für die Bank ist das schwerer planbar
als ein Ratenkredit. Hinzu kommen das Ausfallrisiko, die sofortige
Verfügbarkeit und die fehlende Besicherung.
05
Vorteile und Nachteile des Dispos
Vorteile
- sofort verfügbar, sobald der Rahmen eingerichtet ist,
- keine erneute Beantragung bei jeder Nutzung,
- freie Verwendung ohne Zweckbindung,
- automatische Rückführung durch Zahlungseingänge,
- Zinsen nur für genutzten Betrag und Zeitraum.
Nachteile
- häufig deutlich höhere Zinsen als bei Ratenkrediten,
- keine feste Rückzahlungsstruktur,
- Gefahr eines dauerhaft negativen Kontostands,
- Bank kann den Rahmen reduzieren oder kündigen,
- schlechter Überblick über die tatsächliche Verschuldung.
Typische Fehlannahmen
-
„Mein Dispo gehört zu meinem verfügbaren Geld.“
Tatsächlich handelt es sich um geliehenes Geld.
-
„Wenn das Gehalt kommt, ist alles wieder ausgeglichen.“
Ist das neue Einkommen sofort für laufende Ausgaben gebunden,
beginnt der nächste Monat erneut im Minus.
-
„Ein kleiner Monatsbetrag kostet kaum etwas.“
Wiederholt sich die Nutzung über viele Monate, summieren sich
die Zinskosten.
06
Risiken und typische Probleme
Dauerhafte Überziehung
Problematisch wird der Dispo, wenn das Konto auch direkt nach
Gehaltseingang nicht mehr ins Plus kommt. Dann finanziert der
Kredit nicht mehr nur einen kurzen Engpass, sondern einen
dauerhaften Fehlbetrag im Haushaltsbudget.
Zinseszinseffekt
Werden fällige Sollzinsen dem Girokonto belastet und nicht
ausgeglichen, erhöhen sie den negativen Saldo. Auf den höheren
Schuldbetrag können in der Folge weitere Zinsen anfallen. Der
Effekt ist bei einem einzelnen Monat gering, kann sich bei
dauerhaftem Minus aber verstärken.
Abhängigkeit vom Dispo
Wer laufende Fixkosten regelmäßig nur noch mithilfe des Dispos
bezahlt, verliert finanziellen Handlungsspielraum. Jede unerwartete
Ausgabe verschärft die Lage, während das nächste Einkommen bereits
zur Rückführung des alten Minus benötigt wird.
Auswirkungen auf die SCHUFA
Die normale Nutzung eines vereinbarten Dispos führt nicht
automatisch zu einem negativen SCHUFA-Eintrag. Kritisch können
jedoch Zahlungsstörungen, eine gekündigte Kreditlinie, fällige
Rückstände oder titulierte Forderungen werden. Auch bei neuen
Kreditanträgen kann eine hohe laufende Verschuldung die
Kreditentscheidung beeinflussen.
Warnsignal
Wenn du den Dispo über mehrere Monate fast vollständig nutzt
oder selbst nach Gehaltseingang im Minus bleibst, solltest du
frühzeitig gegensteuern.
07
Welche Alternativen gibt es?
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von Betrag, Dauer, Bonität und
Ursache des Engpasses ab. Vergleiche nicht nur den Sollzins,
sondern auch Laufzeit, Gesamtkosten und monatliche Belastung.
01
Ratenkredit
Kann bei einem größeren, länger bestehenden Minus günstiger
sein. Feste Raten schaffen einen verbindlichen Tilgungsplan.
02
Rahmenkredit
Flexible Kreditlinie außerhalb des Girokontos. Die Kosten
können niedriger sein, dennoch bleibt eine konsequente
Rückzahlung wichtig.
03
Ausgaben verschieben
Nicht dringende Anschaffungen aufschieben, Rücklagen nutzen
oder Zahlungsziele frühzeitig abstimmen.
04
Kurzfristige Haushaltslösung
Abos pausieren, variable Ausgaben begrenzen und vorhandene
Guthaben oder Erstattungsansprüche prüfen.
Neutral vergleichen
Eine niedrigere Monatsrate bedeutet nicht automatisch geringere
Gesamtkosten. Prüfe effektiven Jahreszins, Laufzeit, Gesamtbetrag
und mögliche Zusatzkosten.
08
Dispo ausgleichen und Schulden abbauen
Je früher du einen dauerhaft genutzten Dispo angehst, desto leichter
lässt sich der negative Kontostand meist stabilisieren. Entscheidend
ist ein realistischer Plan, der auch laufende Kosten berücksichtigt.
Minus und Zins exakt feststellen
Notiere Kontostand, Kreditlimit, aktuellen Sollzins und
durchschnittliche monatliche Zinsbelastung.
Haushaltsbudget berechnen
Stelle sichere Einnahmen, Fixkosten, variable Ausgaben und
unregelmäßige Zahlungen gegenüber.
Feste Rückführung einplanen
Behandle den Dispo wie einen Kredit mit monatlicher Rate und
überweise den Betrag direkt nach dem Einkommen.
Neue Nutzung begrenzen
Reduziere den Kreditrahmen schrittweise, sobald der Saldo sinkt,
damit das bereits getilgte Minus nicht erneut genutzt wird.
Umschuldung sorgfältig prüfen
Bei höherem Dauerminus kann ein günstigerer Kredit mit fester
Rate sinnvoll sein, sofern die Rate dauerhaft tragbar ist.
Frühzeitig Beratung nutzen
Wenn Miete, Energie, Versicherungen oder Kreditraten nicht mehr
sicher bezahlt werden können, ist eine anerkannte
Schuldnerberatung die richtige Anlaufstelle.
09
Rechtlicher Rahmen und Verbraucherschutz
Der Dispokredit ist im Bürgerlichen Gesetzbuch als eingeräumte
Überziehungsmöglichkeit geregelt. Die Bank muss unter anderem über
wesentliche Vertragsbedingungen und den Sollzinssatz informieren.
Für geduldete Überziehungen gelten eigene Vorschriften.
Beratung bei dauerhafter Nutzung
Bei einer länger andauernden und erheblichen Nutzung einer
eingeräumten Überziehungsmöglichkeit muss die Bank unter den
gesetzlichen Voraussetzungen ein Beratungsangebot machen. In der
Beratung sollen kostengünstigere Alternativen und die Folgen
weiterer Überziehung besprochen werden.
Zinsänderungen
Dispozinsen sind häufig variabel. Unter welchen Bedingungen sie
angepasst werden dürfen und wie die Bank darüber informiert, ergibt
sich aus Vertrag, Preisverzeichnis und den gesetzlichen Vorgaben.
Prüfe deshalb regelmäßig Kontoauszug, Preis- und Leistungsverzeichnis
sowie Mitteilungen deiner Bank.
Kann die Bank den Dispo kündigen?
Ein dauerhafter Anspruch auf den eingeräumten Rahmen besteht nicht.
Die Bank kann ihn nach den vertraglichen Regeln reduzieren oder
kündigen. Besonders problematisch ist das, wenn das Konto bereits
stark im Minus steht und der offene Betrag kurzfristig zurückgeführt
werden muss.
10
Häufige Fragen zum Dispokredit
Wie hoch dürfen Dispozinsen sein?
+
Es gibt keinen allgemeinen festen gesetzlichen Höchstzinssatz
speziell für Dispokredite. Zinsen dürfen jedoch nicht gegen
allgemeine zivilrechtliche Grenzen verstoßen. Entscheidend ist
der konkret vereinbarte Sollzinssatz. Du findest ihn im Vertrag,
Preisverzeichnis, Onlinebanking oder auf dem Kontoauszug.
Wie oft darf man den Dispo nutzen?
+
Innerhalb des eingeräumten Rahmens kann der Dispo grundsätzlich
wiederholt genutzt werden. Wirtschaftlich sinnvoll ist er
trotzdem nur für kurze, überschaubare Engpässe.
Was passiert bei dauerhaftem Minus?
+
Es fallen fortlaufend Zinsen an. Die Bank kann den Rahmen
überprüfen, reduzieren oder kündigen. Bei erheblicher und
längerer Nutzung kann außerdem eine gesetzliche Beratungspflicht
beziehungsweise ein Beratungsangebot der Bank greifen.
Kann die Bank den Dispo kündigen?
+
Ja. Es besteht kein dauerhafter Anspruch auf einen Dispokredit.
Die Bank kann den Rahmen nach den Vertragsbedingungen ganz oder
teilweise streichen. Der offene Saldo muss dann zurückgeführt
werden.
Wie finde ich meinen Dispozins heraus?
+
Der aktuelle Sollzinssatz steht meist im Onlinebanking, auf dem
Kontoauszug, im Preis- und Leistungsverzeichnis oder in den
Vertragsunterlagen. Auch der BaFin-Kontenvergleich weist für
viele Kontomodelle Dispozinsen aus.
Ist die Nutzung des Dispos automatisch negativ für die SCHUFA?
+
Die vertragsgemäße Nutzung eines eingeräumten Dispos führt nicht
automatisch zu einem negativen Eintrag. Negative Folgen können
insbesondere aus Zahlungsstörungen, gekündigten Forderungen
oder nicht erfüllten Rückzahlungsverpflichtungen entstehen.
11
Fazit: Praktisch als Reserve, teuer als Dauerlösung
Der Dispokredit bietet sofortige Liquidität und kann einen kurzen
finanziellen Engpass unkompliziert überbrücken. Seine Stärke ist
die Flexibilität, nicht der niedrige Preis.
Wer das Konto nur für wenige Tage und mit einem überschaubaren
Betrag überzieht, kann den Dispo sinnvoll nutzen. Bleibt das Konto
dagegen dauerhaft im Minus, fehlen eine feste Tilgung und ein
klarer Ausstieg. Dann sind Haushaltsplanung, eine reduzierte
Kreditlinie oder eine günstigere Umschuldung meist die bessere
Richtung.
Merksatz
Der Dispo ist eine kurzfristige Notfallreserve – kein dauerhaftes
zweites Einkommen.
Redaktionelle Grundlage:
Bürgerliches Gesetzbuch §§ 504, 504a und 505, Informationen der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Deutsche Bundesbank
und Verbraucherzentralen. Die Beispielrechnungen sind fiktiv und
gerundet. Stand: Juni 2026.