Faire Fonds und nachhaltige ETFs: So prüfst du, was wirklich drinsteckt
Nachhaltige Geldanlage kritisch prüfen

Faire Fonds: Wie ECO sind sie wirklich?

„Grün“, „ESG“ oder „nachhaltig“ klingt eindeutig. In der Praxis können jedoch auch Fonds mit Nachhaltigkeitslabel Unternehmen aus fossiler Energie, Rüstung oder anderen kontroversen Bereichen enthalten. Entscheidend ist deshalb nicht der Name des Produkts, sondern ein genauer Blick in das Portfolio.

Fonds und ETFs verständlich erklärtGreenwashing erkennenStand: Juni 2026
Faire Fonds und nachhaltige ETFs für Mensch und Umwelt
Nachhaltigkeit beginnt mit einem Blick ins Portfolio.
01ESG ist kein Reinheitsversprechen

Ein Nachhaltigkeitsbegriff im Namen bedeutet nicht automatisch, dass alle problematischen Unternehmen ausgeschlossen sind.

02Portfolio statt Werbung prüfen

Die entscheidende Frage lautet: Welche Unternehmen befinden sich tatsächlich im Fonds?

03Nachhaltigkeit hat Abstufungen

Ausschlüsse, Best-in-Class, Themenfonds und aktive Auswahl können zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen.

04Finanzrisiko bleibt

Auch ein fairer oder nachhaltiger Fonds kann im Wert fallen und Verluste verursachen.

01
Begriff und Grundidee

Was sind faire Fonds?

„Faire Fonds“ ist kein gesetzlich geschützter Produkttyp. Der Begriff beschreibt vielmehr den Anspruch, neben Rendite und Risiko auch ökologische und soziale Folgen einer Geldanlage zu berücksichtigen.

Dazu gehören etwa Klimaschutz, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Waffenproduktion, Korruption, Umweltzerstörung oder verantwortungsvolle Unternehmensführung.

Ein fair ausgerichteter Fonds kann Unternehmen anhand fester Regeln ausschließen, besonders verantwortungsvoll wirtschaftende Firmen bevorzugen oder durch Stimmrechte und Dialog Veränderungen anstoßen.

Wie streng diese Regeln ausfallen, entscheidet der jeweilige Anbieter. Deshalb können zwei Fonds mit ähnlich klingendem Nachhaltigkeitsnamen völlig unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Wichtig für Anleger„Nachhaltig“, „ESG“, „SRI“, „Klima“ oder „Impact“ sind keine Garantie dafür, dass ein Fonds deinen persönlichen Wertvorstellungen entspricht.
02
Fonds und ETF

Was ist der Unterschied?

FONDS

Aktiv gemanagter Fonds

Ein Managementteam wählt Wertpapiere aus und kann Unternehmen regelmäßig neu bewerten, verkaufen oder über Stimmrechte beeinflussen. Dafür fallen meist höhere laufende Kosten an.

ETF

Passiver Indexfonds

Ein ETF bildet einen Index nach festen Regeln ab. Er ist häufig günstiger, kann Nachhaltigkeitskriterien aber meist nur standardisiert und automatisiert umsetzen.

Ein ETF ist nicht automatisch weniger verantwortungsvoll. Entscheidend ist, welcher Index abgebildet wird, welche Unternehmen ausgeschlossen sind und wie streng die Auswahlregeln formuliert wurden.

Aktive Fonds können bei Nachhaltigkeitsprüfungen genauer arbeiten. Höhere Kosten oder ein aktives Management garantieren aber ebenfalls keine besonders faire Anlage.

03
Auswahlmethoden

Wie nachhaltige Fonds Unternehmen auswählen.

Ausschlusskriterien

Bestimmte Branchen oder Geschäftspraktiken werden ausgeschlossen, etwa kontroverse Waffen, Kohleförderung, Tabak oder schwere Menschenrechtsverstöße.

+

Positivkriterien

Unternehmen müssen festgelegte Mindeststandards erfüllen oder einen messbaren Beitrag zu Umwelt- und Sozialzielen leisten.

BIC

Best-in-Class

Aus jeder Branche werden die im Vergleich besser bewerteten Unternehmen ausgewählt. Dadurch können auch Öl-, Auto- oder Chemiekonzerne enthalten sein.

THEMA

Themenfonds

Der Fonds konzentriert sich auf Bereiche wie Wasser, erneuerbare Energien, Kreislaufwirtschaft oder Gesundheit. Das kann die Streuung verringern.

VOTE

Engagement

Fondsanbieter nutzen Stimmrechte und Unternehmensdialoge, um Klimaziele, Transparenz oder bessere Arbeitsbedingungen einzufordern.

IMPACT

Wirkungsorientierung

Das Investment soll neben einer finanziellen Rendite eine nachvollziehbare soziale oder ökologische Wirkung erzielen.

04
Greenwashing erkennen

Warum ein ESG-Label nicht genügt.

ESG steht für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Der Begriff beschreibt, welche Nachhaltigkeitsfaktoren bei der Geldanlage berücksichtigt werden können.

Er sagt jedoch nicht automatisch, wie streng ein Fonds vorgeht. Ein Produkt kann nur einzelne kontroverse Geschäftsfelder ausschließen und trotzdem viele Unternehmen eines klassischen Weltindex enthalten.

Auch die EU-Offenlegungsverordnung ist in erster Linie ein Transparenzrahmen. Die bekannte Einordnung nach Artikel 6, 8 oder 9 wurde in der Praxis häufig wie ein Gütesiegel verstanden, obwohl sie keine einheitliche Nachhaltigkeitsnote darstellt.

Fondsnamen mit ESG- oder Nachhaltigkeitsbegriffen unterliegen inzwischen zusätzlichen europäischen Leitlinien. Das verbessert die Vergleichbarkeit, ersetzt aber weiterhin nicht die Prüfung des tatsächlichen Portfolios.

Der schnelle Greenwashing-TestKlingt die Werbung konkreter als die Anlagebedingungen? Dann prüfe Ausschlussgrenzen, Portfolio, Indexregeln und Nachhaltigkeitsbericht besonders genau.
05
Typische Konfliktfelder

Welche Unternehmen können problematisch sein?

BereichMögliche KontroverseWorauf du achten solltest
Fossile EnergieKohle, Öl, Gas, neue Förderprojekte oder fehlende glaubwürdige AusstiegspläneUmsatzgrenzen, Expansionsregeln und Übergangsstrategie prüfen
RüstungKontroverse Waffen, konventionelle Waffen oder militärische ZulieferungPrüfen, ob nur geächtete Waffen oder die gesamte Branche ausgeschlossen wird
MenschenrechteZwangsarbeit, Kinderarbeit, Vertreibung oder problematische LieferkettenKontroversen und Reaktion des Unternehmens betrachten
ArbeitsrechteBehinderung von Gewerkschaften, schlechte Arbeitsbedingungen oder LohndumpingSoziale Kriterien und Lieferkettenprüfung einordnen
UmweltEntwaldung, Bergbaufolgen, Wasserverschmutzung oder ArtenverlustNicht nur CO₂-Werte, sondern gesamte Umweltwirkung prüfen
UnternehmensführungKorruption, Steuervermeidung, Bilanzskandale oder fehlende KontrolleGovernance-Bewertung und aktuelle Kontroversen berücksichtigen
06
Vor dem Kauf prüfen

Die Checkliste für faire Fonds und ETFs.

01
Anlageziel verstehenGeht es um Ausschlüsse, Transformation oder messbare Wirkung?
02
Portfolio ansehenWelche größten Unternehmen und Branchen sind tatsächlich enthalten?
03
Ausschlüsse lesenWelche Umsatzgrenzen gelten und welche Aktivitäten bleiben erlaubt?
04
Index prüfenBei ETFs bestimmen die Indexregeln, welche Unternehmen aufgenommen werden.
05
Kosten vergleichenTER, Ausgabeaufschlag, Depot- und Transaktionskosten berücksichtigen.
06
Streuung bewertenRegionen, Branchen und Zahl der Positionen müssen zur Strategie passen.
07
Stimmrechtspolitik prüfenWie stimmt der Fondsanbieter bei Klima- und Menschenrechtsthemen ab?
08
Unabhängige Quellen nutzenNicht nur Anbieterwerbung, sondern externe Datenbanken und Analysen heranziehen.
Unabhängiger Portfolio-Check

Was steckt in deinem Fonds?

Faire Fonds ist ein gemeinsames Projekt von Facing Finance und urgewald. Die Plattform untersucht Publikumsfonds und macht sichtbar, ob im Portfolio Unternehmen enthalten sind, die wegen fossiler Expansion, Rüstung, Menschenrechts- oder Umweltproblemen in der Kritik stehen.

Die Datenbank ersetzt keine Anlageberatung. Sie hilft dir aber dabei, die Nachhaltigkeitswerbung eines Fonds mit seinen tatsächlichen Beteiligungen abzugleichen.

CHECKFonds suchen
Portfolio prüfen
Kontroversen einordnen
07
Rendite, Risiko und Kosten

Nachhaltig bedeutet nicht automatisch sicher.

RISK

Kursrisiko bleibt

Aktienfonds und ETFs können stark schwanken. Nachhaltigkeitskriterien schützen nicht vor Börsenverlusten.

ZEIT

Langer Anlagehorizont

Für breit gestreute Aktienfonds sollte Geld in der Regel viele Jahre entbehrlich sein.

COST

Kosten wirken dauerhaft

Laufende Kosten reduzieren die Rendite jedes Jahr. Nachhaltigkeit und Preis sollten gemeinsam bewertet werden.

Nachhaltige Anlagestrategien müssen finanziell nicht automatisch schlechter abschneiden. Eine verlässliche Renditeprognose lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Entscheidend bleiben breite Streuung, angemessene Kosten, ein passender Anlagehorizont und deine persönliche Risikotragfähigkeit.

08
Fonds oder ETF?

Welche Lösung kann zu dir passen?

KriteriumNachhaltiger ETFAktiver Nachhaltigkeitsfonds
KostenMeist niedrigerMeist höher
AuswahlRegelbasiert über einen IndexDurch Fondsmanagement
EinzelfallprüfungBegrenzt und standardisiertKann detaillierter erfolgen
TransparenzIndexregeln und Positionen oft gut einsehbarAbhängig von Anbieter und Berichterstattung
NachhaltigkeitsstrengeVon sehr locker bis vergleichsweise strengEbenfalls sehr unterschiedlich
Geeignet fürKostenbewusste Anleger mit klaren IndexkriterienAnleger, die eine aktive Auswahl und Engagement wünschen
09
Typische Fehler

So vermeidest du den grünen Etikettenschwindel.

×
Nur auf den Produktnamen schauenEin grüner Name sagt wenig über die tatsächlichen Beteiligungen aus.
×
ESG mit Ausschluss verwechselnEin ESG-Fonds kann problematische Branchen weiterhin enthalten.
×
Nur Klima betrachtenMenschenrechte, Arbeitsbedingungen und Unternehmensführung werden übersehen.
×
Nischenfonds überschätzenEin enges Nachhaltigkeitsthema kann zu hoher Branchenkonzentration führen.
×
Kosten ausblendenHohe laufende Gebühren können den langfristigen Anlageerfolg belasten.
×
Portfolio nie wieder prüfenZusammensetzung, Kontroversen und Regeln können sich verändern.
10
Häufige Fragen

Faire Fonds kurz erklärt.

Ist ein ESG-Fonds automatisch nachhaltig?
Nein. ESG beschreibt berücksichtigte Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsfaktoren. Wie streng die Kriterien sind, unterscheidet sich erheblich.
Können nachhaltige ETFs Öl- oder Gaskonzerne enthalten?
Ja. Das hängt von den Ausschlussregeln und Umsatzgrenzen des zugrunde liegenden Index ab.
Sind aktive Fonds nachhaltiger als ETFs?
Sie können Unternehmen genauer prüfen und aktiver Einfluss nehmen. Das macht sie aber nicht automatisch strenger oder besser.
Sind faire Fonds sicher?
Nein. Aktien- und Anleihefonds unterliegen Kurs-, Markt-, Zins- und gegebenenfalls Währungsrisiken.
Wie finde ich heraus, was in meinem Fonds steckt?
Prüfe das Factsheet, die vollständige Portfolioliste, den Index, Nachhaltigkeitsberichte und unabhängige Datenbanken wie Faire Fonds.
Ist Artikel 9 automatisch besonders nachhaltig?
Artikel 9 beschreibt bestimmte Offenlegungsanforderungen für Produkte mit nachhaltigem Anlageziel. Die Einstufung ersetzt dennoch keine Prüfung des Portfolios und der Methodik.
Kontenvergleich-Fazit

Ein fairer Fonds beginnt nicht beim Etikett, sondern beim Inhalt.

Nachhaltige Fonds und ETFs können helfen, bestimmte Branchen auszuschließen und Kapital stärker an Umwelt- oder Sozialzielen auszurichten.

Der Produktname allein reicht jedoch nicht. Prüfe Portfolio, Ausschlussregeln, Indexmethodik, Kosten, Streuung und den Umgang mit kontroversen Unternehmen.

Die Faire-Fonds-Datenbank kann dabei eine wertvolle zweite Perspektive liefern, weil sie sichtbar macht, welche kritisierten Unternehmen tatsächlich in einem Fonds enthalten sind.

Nachhaltigkeit bleibt eine persönliche Abwägung. Was für eine Person noch akzeptabel ist, kann für eine andere ein klares Ausschlusskriterium sein.