EZB hebt Zinsen an: Was jetzt beim Tagesgeld zählt.
Höhere Leitzinsen bringen neue Bewegung in den Sparmarkt. Mehrere Banken werben inzwischen mit 4 Prozent Tagesgeldzinsen. Doch Laufzeit, Anlagegrenze und Bedingungen unterscheiden sich deutlich.
Der Einlagenzins der Europäischen Zentralbank liegt seit dem 17. Juni 2026 bei 2,25 Prozent.
Chase, norisbank und Crédit Agricole Savings werben mit einem Aktionszins von 4 Prozent pro Jahr.
Der Spitzenzins gilt je nach Anbieter nur vier Monate, sechs Monate oder bis Ende Januar 2027.
Girokonto-Pflicht, Anlagegrenzen, Anschlusszins und Steuern können das Ergebnis verändern.
Warum die EZB-Entscheidung für Sparer wichtig ist.
Die Europäische Zentralbank hat ihre drei wichtigsten Leitzinsen im Juni 2026 um jeweils 0,25 Prozentpunkte erhöht. Seit dem 17. Juni liegt der Einlagenzins bei 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz beträgt 2,40 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz 2,65 Prozent.
Für den Tagesgeldmarkt ist vor allem der Einlagenzins interessant. Er beeinflusst, zu welchen Konditionen Banken kurzfristige überschüssige Liquidität bei der Zentralbank anlegen können.
Steigt dieser Zinssatz, verbessert sich grundsätzlich der Spielraum für höhere Sparzinsen. Eine automatische Weitergabe an Kunden gibt es jedoch nicht. Jede Bank entscheidet selbst, ob und wie stark sie ihre Konditionen anpasst.
Auch Kundengewinnung, Finanzierungsbedarf und Wettbewerb spielen eine Rolle. Deshalb können einzelne Banken deutlich über dem EZB-Einlagenzins liegen, während andere ihre Tagesgeldzinsen kaum verändern.
Dreimal 4 Prozent. Dreimal andere Bedingungen.
Chase, die norisbank und Crédit Agricole Savings bieten derzeit jeweils 4 Prozent Tagesgeldzinsen pro Jahr. Auf den ersten Blick sehen die Angebote gleich aus. Entscheidend sind jedoch die Details.
Unterschiede gibt es vor allem bei der Dauer des Aktionszinses, der maximal verzinsten Summe, einem erforderlichen Girokonto und den Konditionen nach Ablauf der Aktion.
| Anbieter | Aktionszins | Zinszeitraum | Anlagegrenze | Wichtige Bedingung |
|---|---|---|---|---|
| Chase | 4,00 % | Vier Monate ab Kontoeröffnung | Bis 1.000.000 Euro | Kein zusätzliches Girokonto erforderlich |
| norisbank | 4,00 % | 1. Juli bis 31. Dezember 2026 | Bis 250.000 Euro | Top-Girokonto und weitere Aktionsbedingungen |
| Crédit Agricole Savings | 4,00 % | Bis 31. Januar 2027 | 10 bis 10.000 Euro | Girokonto als Verrechnungskonto |
Stand: 19. Juni 2026. Zinssätze und Bedingungen können sich ändern. Prüfe vor der Eröffnung immer die vollständigen Konditionen beim jeweiligen Anbieter. Die Übersicht stellt keinen vollständigen Marktvergleich dar.
Die drei Tagesgeldangebote eingeordnet.
Chase
Chase kombiniert einen viermonatigen Aktionszins mit einer vergleichsweise einfachen Kontoeröffnung. Ein zusätzliches Girokonto beim Anbieter ist nicht erforderlich.
norisbank
Bei der norisbank läuft der Sonderzins über sechs Monate. Das Angebot ist jedoch mit der Eröffnung eines Top-Girokontos und weiteren Aktionsvoraussetzungen verbunden.
Crédit Agricole Savings
Das Tagesgeld Turbo bietet die längste festgelegte Zinsphase der drei Angebote. Der Aktionszins gilt allerdings nur für Guthaben bis 10.000 Euro.
Was bringen 4 Prozent tatsächlich?
Die Angabe 4 Prozent p. a. bezieht sich auf ein vollständiges Jahr. Gilt der Aktionszins nur für vier oder sechs Monate, fällt auch der Zinsertrag entsprechend geringer aus.
Vereinfachte Berechnung ohne taggenaue Verzinsung, Zinseszinseffekt und Steuern. Die tatsächliche Berechnung richtet sich nach den Bedingungen der jeweiligen Bank.
Zinsgarantie und Anschlusszins richtig bewerten.
Eine lange Zinsgarantie gibt dir Planungssicherheit. Während der festgelegten Aktionsphase bleibt der Sonderzins grundsätzlich bestehen, sofern du alle Bedingungen erfüllst.
Nach Ablauf der Aktion gilt meistens ein variabler Anschlusszins. Dieser kann deutlich niedriger sein und von der Bank jederzeit angepasst werden.
Ein etwas kürzeres Angebot kann deshalb trotzdem interessant sein, wenn der Anschlusszins höher ist oder du das Konto ohne zusätzliche Bedingungen eröffnen kannst. Umgekehrt kann eine lange Zinsgarantie sinnvoll sein, wenn du möglichst wenig wechseln möchtest.
Warum du die Einlagensicherung mitdenken solltest.
Tagesgeld gilt als vergleichsweise sichere Geldanlage. Entscheidend ist jedoch, welche Bank hinter dem Angebot steht und welchem gesetzlichen Sicherungssystem sie angehört.
Innerhalb der Europäischen Union sind Einlagen grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Kunde und Kreditinstitut gesetzlich geschützt. Mehrere Konten bei derselben Bank werden dabei zusammengerechnet.
Hohe Anlagegrenzen eines Tagesgeldkontos bedeuten deshalb nicht automatisch, dass die gesamte Summe gesetzlich abgesichert ist. Wer deutlich mehr als 100.000 Euro liquide halten möchte, kann das Geld auf mehrere rechtlich eigenständige Banken verteilen.
Bei Chase und der norisbank gilt die deutsche gesetzliche Einlagensicherung. Crédit Agricole Savings gehört zum französischen Sicherungssystem.
Was bei der Besteuerung der Zinsen gilt.
Tagesgeldzinsen gehören zu den Kapitalerträgen. Bei deutschen Banken wird die anfallende Steuer normalerweise automatisch einbehalten und an das Finanzamt abgeführt.
Mit einem Freistellungsauftrag kannst du deinen verfügbaren Sparer-Pauschbetrag nutzen. Solange deine Kapitalerträge innerhalb des noch freien Betrags liegen, erfolgt kein Steuerabzug.
Bei ausländischen Banken kann die Abwicklung anders aussehen. Crédit Agricole Savings schreibt die Zinsen nach den aktuellen Produktinformationen ohne deutschen Steuerabzug gut. Diese Erträge musst du grundsätzlich selbst in deiner Steuererklärung berücksichtigen.
Prüfe daher vor der Eröffnung, ob ein Freistellungsauftrag möglich ist und ob du eine Steuerbescheinigung erhältst.
Diese Punkte solltest du vorher prüfen.
Der höchste Zins ist nur der Anfang des Vergleichs.
Die EZB-Zinserhöhung verbessert das Umfeld für Sparer. Mit Chase, der norisbank und Crédit Agricole Savings sind derzeit sogar drei Tagesgeldangebote mit 4 Prozent pro Jahr verfügbar.
Chase ist besonders unkompliziert. Es ist kein zusätzliches Girokonto erforderlich, allerdings gilt der Aktionszins nur vier Monate.
Die norisbank bietet sechs Monate Planungssicherheit. Dafür musst du ein Girokonto eröffnen und weitere Aktionsbedingungen erfüllen.
Crédit Agricole Savings bietet die längste Zinsphase. Der 4-Prozent-Zins ist jedoch auf maximal 10.000 Euro begrenzt und die steuerliche Abwicklung liegt stärker bei dir.
Die passende Wahl hängt deshalb von deinem Anlagebetrag, deiner gewünschten Laufzeit und deiner Bereitschaft ab, zusätzliche Bedingungen zu erfüllen.
Tagesgeld nach der EZB-Zinserhöhung.
Steigen Tagesgeldzinsen automatisch nach einer EZB-Zinserhöhung?
Nein. Banken bestimmen ihre Tagesgeldzinsen selbst. Ein höherer EZB-Einlagenzins kann den Spielraum für bessere Angebote erhöhen, verpflichtet Banken aber nicht zu einer direkten Weitergabe.
Welche Banken bieten aktuell 4 Prozent Tagesgeldzinsen?
Mit Stand vom 19. Juni 2026 werben Chase, die norisbank und Crédit Agricole Savings mit 4 Prozent pro Jahr. Die Aktionszeiträume und Bedingungen unterscheiden sich.
Bekomme ich bei vier Monaten Laufzeit wirklich 4 Prozent?
Der Zinssatz wird als Jahreszins angegeben. Bei einer viermonatigen Aktion erhältst du nur den entsprechenden Anteil des Jahreszinses. Bei 10.000 Euro wären das vereinfacht rund 133 Euro brutto.
Ist Tagesgeld jederzeit verfügbar?
Tagesgeld besitzt normalerweise keine feste Laufzeit. Du kannst Geld auf das hinterlegte Referenzkonto überweisen. Die Auszahlung ist jedoch nicht immer sofort auf deinem Girokonto sichtbar.
Wie sicher sind 100.000 Euro auf einem Tagesgeldkonto?
Innerhalb der Europäischen Union sind Guthaben grundsätzlich bis zu 100.000 Euro je Kunde und Kreditinstitut gesetzlich abgesichert. Entscheidend ist, welche rechtliche Bank hinter dem jeweiligen Angebot steht.
Was passiert nach Ablauf des Aktionszinses?
Danach gilt meist der variable Standard- oder Anschlusszins der Bank. Dieser kann niedriger ausfallen und später verändert werden. Daher solltest du das Ende der Aktion im Kalender notieren.
Muss ich Tagesgeldzinsen versteuern?
Tagesgeldzinsen zählen grundsätzlich zu den Kapitalerträgen. Bei deutschen Banken erfolgt der Steuerabzug meist automatisch. Mit einem Freistellungsauftrag kannst du deinen verfügbaren Sparer-Pauschbetrag nutzen.
